Rob Ellis aka Pinch aus Bristol veröffentlicht am 16.01.2012 seinen FABRICLIVE-Mix. Er liefert mit seinem Set nicht mehr und nicht weniger als das Maß der Dinge in Sachen Dubstep und UK-Bass.
Pinch dürfte für FABRICLIVE-Liebhaber kein unbekannter Name sein. Bereits auf Pearson Sound’s/Ramadanman’s FABRICLIVE 56 war sein Track Qawwali zu hören. Ohne Zweifel eine seiner herausragendsten Arbeiten bisher und einer der erfolgreichsten Releases auf Planet Mu. Seine Biografie liest sich eigentlich relativ unspektakulär. Im Grunde war es bei ihm der “klassische” Weg, der ihn in die Musik geführt hat. Beeinflusst von seinem älteren Bruder hörte er sich querbeet durch alle Genres und landete UK-typischer Weise irgendwann auch bei Jungle und Drum’n'Bass. Seit 1999 stand er dann selbst an den Turntables. Die Wende richtung Dubstep folge 2003 auf einer Party im FWD>>. Danach ging es steil bergauf. 2004 die erste Label-Beteiligung und eigene Veranstaltungen, 2005 der Launch seines eigenen Labels Tectonic. Ab da folgten Releases auf Planet Mu, Soul Jazz, Deleted Scenes, Tempa, Punch Drunk, Swamp 81, Deep Medi und am aktuellsten auf Honest Jons (Album-Kollaboration mit Shackleton).
Interessanter als seine eigentliche Biografie ist aber die Art wie sein Sound entstanden ist. Im Gegensatz zu den meist ziemlich gut ausgestatteten Homestudios arbeitete Rob Ellis mit Billig-PC und -Soundkarte, Hi-Fi Lautsprechern und Fruityloops – nicht gerade eine Kombination, die nach hochwertiger Produktion klingt. Beschränkt auf 8-, 16- und 32-Bar Loops konzentrierte er sich auf deepe und harmonisch klingende Sounds um harsch und unangenehm nervig klingende Mitten zu vermeiden. Erst 2009 schwenkte er auf Logic um und versucht seitdem vor allem sich produktionstechnisch immer weiter zu entwickeln. Trotzdem prägte diese frühe Produktionszeit seinen Sound bis heute. Unverkennbar grollend, tief und fast schon ambientisch klingen seine Veröffentlichungen. Seine Tracks eröffnen ganze Welten und diese Deepness nutzt er nun auch für sein FABRICLIVE-Mix.
Mit einer angenehmen Länge von 22 Tracks gibt er jedem Stück genug Zeit zu wirken und sich zu entfalten. Aufgenommen wurde das Set zuerst in einem Zug auf zwei MRK2 Technics Turntables und einem Allen & Heath Xone:42 Mixer – und zwar ausschließlich mit Acetat-Dubplates, die bei Optimum Mastering in Bristol geschnitten wurden und ein paar Vinyls. Die aufgenommene WAV-File lud er dann in Logic und verbrachte nahezu zwei Wochen damit, die Sounds auf Ebenen zu verteilen und subtile Sounds und Hits hinzuzufügen um den Mix insgesamt stimmiger, deeper und harmonischer zu machen. Die meisten hinzugefügten Sounds sind Vocals von Jakes, die er extra für ihn und seinen Mix aufgenommen hat. Um diese mehr als Textur und flächiger erscheinen zu lassen sind sie meist stark nach unten gepitcht und mit diversen Reverb-Effekten versehen – so stark, dass teilweise nicht mehr zu verstehen ist, was eigentlich gesagt wird.
Eine weitere Besonderheit des Sets besteht darin, dass es als Loop funktioniert. Wie man auch an der Tracklist erkennen kann, endet der Mix exakt dort wo er anfängt.
I also made the whole mix start and finish in the same spot – meaning that the entire DJ mix can work as a loop if you put it on repeat. I really like the idea of certain kinds of music existing in its own infinite context and setting up the mix to loop like that was playing entirely into that idea.
– Pinch
Das Konzept geht auf. Hört man den Mix auf repeat verliert man immer mehr das Gefühl für Anfang und Ende, für Zeit und Raum. Die Genres gehen immer mehr ineinander über und man kann sich von Stunde zu Stunde mehr in Pinch’s Sound reinhören. Überhaupt ist das Genre-Crossing ein ziemlich bedeutender Aspekt im Set, vor allem wenn man sich mal die momentane UK-Szene betrachtet. Erfreulicherweise löst sich Dubstep momentan ein wenig von dem klassischen Konzept und schwenkt wieder ein wenig mehr zu technoidem 4-to-the-floor hinüber. Ein Aspekt, der nicht nur mir sehr gefällt. Das ermöglicht nämlich nicht nur den UK-Leuten wesentlich tanzbarere und roughere Sets zu erschaffen, sondern auch denen, die sonst eher klassischen Techno spielen sich mehr zu öffnen, beispielsweise den Jungs und Mädels, die sonst den Berghain-Floor beschallen. Ein Paradebeispiel für diese Art von Symbiose ist der Beat Dimension NYE Mix von XXXY und Pariah.

Die Tracks, die Pinch für seinen Mix ausgewählt hat, hätten nicht besser aneinander gereiht werden können. Ohne es wirklich zu merken wird man von einem Monster zum nächsten gerissen – dabei scheinen sich die Tracks regelrecht um die Brachialität zu prügeln. Konstant begleitet von grollend tiefen Basslines und fast schon schmerzenden Kickdrums werden einem Synth-Spuren um die Ohren geworfen, bei denen man sich ernsthaft fragen muss, wie krank man eigentlich sein muss, um sich das freiwillig anzutun. Angefangen bei EQD’s fantastisch technoider Nummer Equalized #005B, über Boddika’s & Joy Orbison’s lang erwartetem Peaktime-Hammer Swims, Photek’s & Pinch’s bitterböser Nummer Acid Reign als Pinch’s Dubplate Version, Addison Groove’s Vocaltrip This Is It VIP, Distance’s alleszermalmendem Synth-Wahnsinn Blue Meanie bis hin zu Jakes’ großem Finale A Case Of The Bleeps. Pinch weiß absolut wie man die tanzende Masse in den Wahnsinn treibt. Und wenn dann quasi zwischendurch mal solch’ musikalische Hammer wie Roly Porter’s Streicher-Epos Hessra reinknallen, dann fällt man fast vom Glauben ab. Wenn man dann liest, dass fast die Hälfte der 22 Tracks auf seinem Label Tectonic erschienen sind und er selbst auch noch direkt für sechs der 22 Produktionen verantwortlich ist, dann lässt sich die Genialtät dieses Mannes eigentlich nicht mehr in Frage stellen. Das was man hier hört ist Zeitgeist in Perfektion, das Maß der Dinge in Sachen Dubstep und UK-Bass und ein umfassendes Beispiel für das Schaffen von Pinch.
Und man sollte ihm auf Knien danken, dass die Platte da anfängt wo sie aufhört. Hat man erst mal Play gedrückt, lässt die Scheibe einen nicht mehr so schnell los. Pinch’s Tempo-Variationen, der kongeniale Übergang der Stile, die subtilen und effizient eingesetzten Effekte, die gesamte Textur der Platte, die auf den Punkt sitzenden Übergänge – hier passt einfach alles. Pinch liefert mit seiner FABRICLIVE 61 einen Meilenstein – und gleichzeitig legt er die Messlatte für Compilations dieses Jahr unfassbar hoch.
Reinhören und ordern könnt ihr die Platte direkt im Fabric Store.

Tracklisting:
- Distal – Venom (Part 2) [Tectonic]
- F – Slow Down [7even]
- EQD – Equalized #005B [Equalized]
- Henry & Louis feat. Prince Green – Love Like (Pinch Remix) [2 Kings]
- Pinch & Shackleton – Rooms Within A Room [Honest Jon’s]
- Deleted Scenes – Natural Law [Deleted Scenes]
- Pinch & Quest – In Dreams [Tectonic]
- Boddika & Joy Orbison – Swims [Swamp81]
- DJ G – Uncertain [Tectonic]
- Roly Porter – Hessra [Subtext]
- Photek & Pinch – Acid Reign (Pinch’s Dubplate Version) [Photek Productions]
- Pinch & Loefah – Broken [Tectonic]
- Emika – Double Edge (Pinch Remix) [Ninja Tune]
- Roska – 480 BC [Tectonic]
- Addison Groove – This Is It VIP [Tectonic]
- Goth Trad – Mach [Tectonic]
- Distance – Blue Meanie [Chestplate]
- Jakes – Get Serious [H.E.N.C.H.]
- Jakes – A Case Of The Bleeps [H.E.N.C.H.]
- OM Unit – Pressure [Tectonic]
- Illum Sphere – Promise A Secret [Tectonic]
- Distal – Venom (Part 1) [Tectonic]
Releaseparty für die FABRICLIVE 61 von Pinch ist Freitag, den 13. Januar – natürlich im Fabric.
Room One – HESSLE AUDIO
Pearson Sound
Kode 9
Ben UFO
Pangaea
Icicle Live
Jam City
Kowton
Chunky
LX One
Room Two – TECTONIC PRESENTS FABRICLIVE 61 PINCH ALBUM LAUNCH
Pinch
Loefah Foundation Set
2562
Peverelist
Distance
Om Unit
Blazey
Dread
Crazy D
Room Three – HOYA HOYA
Lone
Illum Sphere
Eclair Fifi
Jon K
Platt
Johnny Dub
Links
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Fortgesetzt wirde die FABRICLIVE-Serie im März mit Kasra und im Mai mit dem Digital Soundboy Soundsystem – es wird also wieder sehr viel Drum’N'Bass-iger.




1 Kommentar
Der Dubstep Thread - Seite 15 - DJ - Deejayforum.de sagt:
21. Jan 2012
[...] AW: Der Dubstep Thread /* */ Fabric Live 61 – PINCH Fabric Live 61 – Pinch [...]